Die Gemeinschaft hält in uns lebendig, was wir allein vergessen und verlieren würden...
Glaube und Kirche gehörten schon immer zu meinem Leben. Meine drei Geschwister und ich wuchsen mit Eltern auf, die sich als Lektor, Kantor, im Pfarrgemeinderat oder Bastelkreisen engagierten und sich immer im Gemeindeleben einbrachten. Es war für mich völlig normal, regelmäßig in die Kirche zu gehen und ich war gern bis zum Abitur in der Klosterschule bei den Kreuzschwestern in meinem Heimatort Gemünden am Main. Als Jugendliche erlebte ich dort einige Schwestern, die mich durch ihre Haltung in ihrer Lebensform durchaus überzeugten.
Als ich etwa 16 Jahre alt war, lies ich mich von unserer quicklebendigen Gemeindereferentin Hedwig Rauch anstecken und baute mit ihr und anderen jungen Leuten bei uns die Katholische Junge Gemeinde mit auf. Es hat mir viel Freude gemacht, mich in der KJG als Gruppenleiterin in Gruppenstunden, Gottesdiensten oder weltweiten Aktionen zu engagieren. Äußerlich gesehen mag mein Werdegang zur Ordensschwester deshalb logisch erscheinen. Aber so glatt läuft Berufung nicht! Meine Kindheit und die Begegnung mit einigen Menschen in meiner Jugendzeit mögen wichtige Mosaiksteine auf dem Weg dazu gewesen sein, auch mein Freund. Damals war ich 18 und die Monate mit ihm waren sehr schön. Aber als die Freundschaft zu Ende ging, dachte ich: "Das non plus ultra ist diese Lebensform nicht unbedingt für mich". Als junge Erwachsene war ich innerlich unruhig. Zwar hatte ich freudig in Würzburg mit dem Biologie- und Chemiestudium begonnen, denn die Naturwissenschaften waren immer schon meine Welt. Aber ich suchte nach einem wirklich ausgefüllten Leben. Als ich knapp 20 Jahre alt war, griff der Zufall ein. Unter Zufall verstehe ich das, was mir von Gott her "zufällt" wie ein Geschenk. Ich weiß das Datum noch ganz genau, weil ich es als eine Sternsunde meines Lebens betrachte. Am 25. Februar 1983 fiel unerwartet eine Vorlesung aus. Damals gab es in der Marienkapelle die Fünf-Minuten-Besinnung in der Fastenzeit. Weil mich das interessierte und es an keinem anderen Tag gepasst hatte, ging ich hin. Zufällig gestaltete an diesem Tag Schwester Teresa von den Ritaschwestern diese Besinnung, ihre einzige in dieser Fastenzeit. An den Inhalt der Besinnung erinnere ich mich nicht mehr, aber ich weiß, dass ich am Ende beim Ausgang Schwester Teresa mit ihrem Ordensnamen angesprochen habe. Damals war ich noch recht schüchtern, das Ansprechen war mutig. Und ich weiß bis heute nicht, warum ich sie ansprach und woher ich ihren Ordensnamen kannte. Schwester Teresa war mir nämlich nur unter ihrem weltlichen Namen ein Begriff. Sie war in meiner Kinderzeit vor ihrem Eintritt ins Kloster bei uns Gemeindereferentin gewesen. Sie konnte sich auch an mich erinnern. Schwester Teresa lud mich zu einem Besinnungstag ins Mutterhaus der Ritaschwestern ein. Damit begann mein Kontakt mit dieser Gemeinschaft. Die Stunden im Kloster, der Briefkontakt und die Atmosphäre in der Gemeinschaft haben mir gut getan. Ich habe viel Wärme erfahren, mich sehr wohl gefühlt. 1985 verbrachte ich ein Woche im Kloster, im Januar und Februar 1988 war ich wieder hier und habe den Tagesablauf mit Gebets-, Essens- und Arbeitszeiten mitgelebt. Ich hatte das Gefühl, hier aufzublühen. Es lockte mich geradezu in dieses Haus. Hier gab es Menschen, die mit mir auf der Suche waren, die mir geholfen haben, meinen Weg zu finden. Das Frühjahr 1988 war sehr aufregend für mich. Ich steckte eigentlich mitten in der Examensvorbereitung und fühlte genau, dass ich eine Entscheidung für mein Leben treffen musste. Am Ritafest im Mai 1988 hatte ich einen Termin bei Schwester Marietta, der damaligen Generaloberin. Ich bat sie, mich als Kandidatin aufzunehmen. Und ich spürte dabei eine große Freiheit. Der Entschluss für das Klosterleben hat mich viel Kraft gekostet. Ich habe deshalb mein Examen um ein halbes Jahr hinaus geschoben. Mein Vater akzeptierte meine Entscheidung zur Ordensschwester, aber meine Mutter war sehr enttäuscht. Sie hatte gehofft, ich würde Lehrerin werden. Ich selbst wusste, dass ich bei den Ritaschwestern eigentlich eine Exotin sein würde. Der Gründungsgedanke der Gemeinschaft ist die Sorge um Familien. Konnte ich dies mit meinen beruflichen Interessen vereinbaren? Gott hat es mir möglich gemacht. Im Juni 1989 habe ich mein Studium in Biologie und Chemie abgeschlossen und am 1. September 1989 bin ich ins Kloster eingetreten. Die Kongregation lässt es zu, dass ein Stück von mir der Naturwissenschaft gehört. Nach meiner Ausbildung zur Medizinisch-technischen Assistentin begann ich, als Ritaschwester im Labor des Juliusspitals arbeiten. Bei vielen Patienten spüre ich besonderes Vertrauen und Offenheit, weil ich Ordensfrau bin. Ich kann durch meine Art und Weise an meiner Arbeitsstelle zeigen, dass es uns Schwestern gibt. Nach wie vor ist mir die Gemeinschaft am Wichtigsten. Ich brauche die Gebetszeiten und Bibelgespräche mit einander, das gemeinsame Essen und den Austausch der Gedanken. Es ist ein Geben und Nehmen. Ich spüre im Kloster viel Herzlichkeit und Lebendigkeit. Wir Ritaschwestern versuchen, im Jetzt zu stehen. Wir fragen uns: "Was wird heute gebraucht?" Das gefällt mir. Ich glaube, dass Gott mich hierher geführt hat und vertraue darauf, dass alles seinen Sinn hat. Schw. Inge Grehn
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