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Am Fest der hl. Familie, dem 27. Dezember 2020, vier Tage nach Vollendung ihres 92. Lebensjahres, hat Gott unsere liebe Schwester M. Klara Weber OSA unerwartet in seine ewige Gemeinschaft gerufen.

Schw. Klara wurde am 23.12.1928 in Fulda geboren und auf den Namen Hildegard getauft. Sie besuchte von 1935 bis 1943 die Volksschule. Im April 1944 begann sie die zweijährige Handelsschule, diese wurde am Ende des Jahres wegen „totalem Krieg“ abgebrochen. Schw. Klara hätte so gerne das Gymnasium besucht, in allen Zeugnissen hat sie die besten Noten. Diese starke Einschränkung in ihrem jungen Leben bedauerte sie auch später immer wieder.

Von 1946 bis 1947 arbeitete sie in Fulda in einem Kindergarten als Helferin. Das war ihre Vorbereitung auf die zweijährige Ausbildung zur Erzieherin, die sie 1949 mit sehr guten Noten abschloss.

Direkt nach der Ausbildung, am 1. September 1949, trat Schw. Klara in unsere Gemeinschaft ein. Am 30.10.1952 legte sie ihre ersten Gelübde ab und band sich am 11.10.1955 mit der Profess auf Lebenszeit für immer an unsere Gemeinschaft.

Nach dem Noviziat, von 1951 an, war sie vier Jahre in Walldürn als Pfarrhelferin, danach von 1955 bis 1963 Kindergartenleiterin in St. Elisabeth in Würzburg. Während dieser Zeit absolvierte sie von 1958 bis 1960 eine religionspädagogische Ergänzungsausbildung. Von 1966 bis 1969 war sie für drei Jahre Präfektin in der Klosterschule und Leiterin im Kindergarten in der Wörthstraße in Würzburg-Zellerau.

1969 wurde Schw. Klara der Kindergarten in München in der Pfarrei Maria vom guten Rat anvertraut. Sie leitete ihn 24 Jahre. In München fühlte sie sich wohl. Die Stadt bot ihr auch viele Möglichkeiten, um ihren Interessen nachzukommen. Von dieser Zeit erzählte Sr. Klara immer wieder. Im Konvent dort wurde sie zeitweise mit dem Amt der Oberin betraut.

Als sie in ihrem Beruf pensioniert wurde, kam sie zurück nach Würzburg, zunächst ins Mutterhaus. Sie half in der Verwaltung mit. 1994 bis 1995 ließ sie sich zur Archivarin im kirchlichen Bereich ausbilden. Im November 1996 nahm sie ihre Arbeit im Archiv der Augustiner in Würzburg auf und betreute es bis 2005. In dieser Zeit lebte sie im Konvent Hl. Kreuz.

Die Arbeit als Archivarin bereitete ihr viel Freude und sie engagierte sich in der Arbeitsgemeinschaft der Ordensarchivare. Schw. Klara war von 1997 bis 2009 im Vorstand dieser Arbeitsgemeinschaft. 2005 kehrte sie ins Mutterhaus zurück und verbrachte hier ihren Lebensabend.

Schw. Klara war ein lebensbejahender Mensch und konnte sich über alles Schöne freuen. Sie hatte ein großes Allgemeinwissen. Seit ihrer Kindheit las sie gerne und viel, liebte es zu reisen und schätzte gutes Essen und ein Glas Wein. Schw. Klara liebte die Natur, machte weite Spaziergänge und schaute sich bis zum Schluss die Tiersendungen am Fernsehen an. Am Fasching stieg sie in die Bütt und zeigte ihre dichterische Ader. Ihrer Heimatstadt Fulda blieb sie zeitlebens verbunden. Sie war vielseitig interessiert und bedauerte, wenn sie nicht immer Mitschwestern fand, mit denen sie das teilen konnte.

Verschiedene Erkrankungen musste Schw. Klara in den Jahren verkraften. Sie war robust und konnte viel wegstecken. Durch einen Schlaganfall 2018 war Schw. Klara zunehmend eingeschränkt und auf Hilfe angewiesen. Trotzdem war sie geduldig und klagte nicht. Sie freute sich über jede Begegnung. Schw. Klara konnte gut allein sein. Lesen war für sie eine gute Beschäftigung. Ihre Lieblingszeitung war „Christ in der Gegenwart“. Darin fand sie die geistlichen Impulse, die sie brauchte.

Schw. Klara war eingeschränkt, aber sie liebte die Zusammenkünfte mit den Schwestern. Noch am ersten Weihnachtsfeiertag war sie beim Kaffeetrinken dabei und niemand von uns dachte, dass sie bald nicht mehr unter uns sein würde.

Ich danke Schw. Klara für ihr freundliches Dasein unter uns. Sie hatte immer ein gutes Wort für die, denen sie begegnete, und erkundigte sich nach ihrem Befinden. Ich danke Schw. Klara für ihr segensreiches Wirken in der Erziehung vieler Kinder. Sie starb am Fest der hl. Familie. Sie hat viele Kinder und deren Familien begleitet und für das Leben vorbereitet.

Schw. Klara starb am Sonntagmorgen. Es war die Zeit des Sonnenaufgangs und im Osten war der Himmel feuerrot; ein großes, ein selten intensives Morgenrot. Ich habe mich gefreut über dieses Zeichen bei ihrem Heimgang. In einem Hymnus der Laudes heißt es: „Das Morgenrot steigt höher schon, wie Morgenrot geh ER uns auf“.

Schw. Klara darf jetzt Christus, dem menschgewordenen Licht, entgegengehen. Ihr Erlöser, an den sie geglaubt und dem sie vertraut hat, kommt ihr mit erbarmender Liebe entgegen und führt sie heim zum Vater. Darauf vertrauen wir.

Am Mittwoch, dem 30. Dezember 2020, geleiten wir sie um 12.45 Uhr auf dem Hauptfriedhof in Würzburg zu Grabe. Das Requiem feiern wir infolge der Corona-Pandemie im Kreis der Schwestern.

Würzburg, den 28. Dezember 2020
Für die Kongregation der Ritaschwestern
Schw. Rita-Maria Käß OSA, Generaloberin

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